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[Das Buch] |
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Untergang einer Reichshauptstadt Der Untergang von Mainz war ein Medienereignis der Spitzenklasse; der
Hochadel promenierte hinter den Verschanzungen, die Frankfurter Bürger
machten Sonntagsausflüge, um die brennende Stadt zu sehen. Der Weltgeist
hielt es damals mit den Franzosen. Es ist kein gutes Gefühl, wenn man die eigene
Hauptstadt zerstören soll. Die Motivation der preußischen, hessischen, sächsischen
und österreichischen Soldaten war entsprechend gering, als sie das von
23.000 Franzosen besetzte Mainz zurückerobern sollten. Die schwer befestigte
Stadt hatte sich 1792/93 der französischen Revolution angeschlossen, ihren
Fürstbischof, den Primas des Alten Reichs, verjagt und eine Jakobinerrepublik
gegründet. Deutsche Truppen belagerten sie daraufhin und legten ihre märchenhaften Die Belagerung von Mainz war militärisch kein Ruhmesblatt, ist aber historisch und psychologisch eine überaus spannende Geschichte. Goethe hat diesen tragikomischen Feldzug hautnah miterlebt, von den Wanzen im Quartier bis zum Kanonenfieber, und in einem fiktiven Tagebuch in allen Einzelheiten beschrieben. Seine lebendige Schilderung wird hier herausgegeben und sorgfältig erschlossen - kommentiert durch militärgeschichtliche Informationen, orchestriert durch andere Stimmen der Zeit und opulent illustriert durch Bilder, Landkarten und anderen Augenschmaus. Seinen berühmten Satz „von hier und heute geht eine neue Epoche der
Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen ihr seid dabei gewesen“ hat Goethe vor
Mainz noch einmal wiederholt. „Ihr seid dabei gewesen“ – das soll auch der
Betrachter dieses Bilderbogens sagen können. In der Vorstellung des Lesers sollen
die kühnen Franzosen noch einmal die preußische Führung zu kidnappen
versuchen, sollen herbeigepreßte Bauern wieder Nacht für Nacht kilometerlange
Belagerungsgräben schaufeln, die so tief und so breit sind, daß zwei Kutschen
einander begegnen können, die Ricochettkugeln (Dotzkugeln), mit denen man über den Rhein auf flache Ziele schoß, sollen noch einmal übers Wasser hüpfen,
das vergeblich mit Kriegern gefüllte trojanische Heuschiff soll sich noch einmal
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